Ihre Meinung ist gefragt!

Ist die Corona-Krise ein Weckruf für den digitalen Aufbruch?
Benötigen wir Glasfaser oder reicht das Kupferkabel?

Plötzlich schlossen die Schulen, der Unter­richt konnte nicht wie ge­wohnt im Klas­sen­zim­mer statt­finden, sondern soll­te in den ei­ge­nen vier Wän­den mit Hil­fe von Computern oder Tablets statt­finden. Das stell­te nicht nur Lehr­kräfte und Schüler*Innen vor neue Heraus­forderungen!

Während einige Schüler*Innen über die not­wen­dige Hard­ware ver­fügten, hatten andere wiederum Pro­bleme über­haupt am Unter­richt per Internet teil­zu­neh­men. Während einige einen Glas­faser­an­schluss besitzen und die "Daten­auto­bahn" unge­bremst be­fahren konn­ten, mussten andere  auf Kupfer­lei­tungen zurück­grei­fen, was gerade bei star­ker Nutzung mancher­orts einem "Daten­feld­weg" gleicht.

Viele der Lehrerinnen und Lehrer konn­ten noch nicht auf digi­tale Lehr­metho­den zurück­greifen, da die­se noch nicht ein­ge­rich­tet und er­probt wor­den wa­ren. Mit Ideen­reich­tum ver­such­te zum Bei­spiel die Grund­schule Medel­by ihre Schüler*Innen zu er­rei­chen, um den Lehr­stoff dennoch zu ver­mitteln. Post­mappen, ge­füllt mit Lehr­ma­terial, wur­den am Wochen­en­de ver­teilt und zum Wochen­start und zur Auf­locke­rung zu­sätz­lich YouTube-Filme von den Lehrer*Innen ins Inter­net ge­stellt.

In den weiter­füh­ren­den Schulen wur­de "eLear­ning" voraus­ge­setzt und die Schülerin­nen und Schüler mussten sich in ein vir­tu­elles Klas­sen­zim­mer ein­loggen.

Auch viele Berufs­tätige versuch­ten ihre Ar­beit von zu­hause aus zu machen, um nicht not­wen­dige Kon­tak­te zu ver­mei­den. Doch nicht jede*r im Kirch­spiel konn­te das "Home­Office" nutzen, berufs­be­dingt oder meist aus tech­ni­schen Grün­den.

Laut Bundes­re­gierung mussten allein zwischen März und Oktober dieses Jahr­es 40.728 Computer für die Bundes­ministerien und ihre Ge­schäfts­be­reichs­be­hör­den kurz­fristig be­schafft wer­den. Privaten Firmen dürfte es ähnlich ge­gangen sein. Doch mit einem Computer allein ist es nicht getan. Die Daten­leitung, über die das Büro nach Hause kommt, spielt hier­bei eine we­sent­liche Rolle.

Das Rückgrat des heutigen Internets be­steht aus einem welt­weit ver­zweig­ten Netz aus Glas­faser­ver­bin­dungen. Glas­faser ist dem ehe­maligen Kupfer­draht in Ge­schwindigkeit und Ver­bindungs­stabi­lität weit über­legen. So werden die Daten im wahrsten Sinne des Wortes per Licht­ge­schwindig­keit über­tragen.

Während in Osterby und in weiten Teilen von Wees­by das Glas­faser­kabel bis an die Tür reicht, haben die Medel­byer auf den letzten Metern nur ein Kupfer­kabel liegen. Wirkt das wie ein Flaschen­hals? In der Tat ist das vor­han­dene Kupfer­netz­werk zu den Häusern teil­weise sehr alt. Oft besteht es aus Kupfer-Adern­paaren, die an­fällig für elek­tro­mag­ne­tische Stör­sig­nale sind, die dann den Daten­fluss be­hindern. Sie waren ja damals auch nur für das Tele­fonie­ren ge­dacht! Zwar kann bei der Er­tüch­ti­gung des Ver­teiler­kastens ein so­ge­nann­tes "Vec­toring" ein­ge­rich­tet wer­den, bei dem immer­hin eine Datenrate von 100 MBit/s (Megabit pro Sekunde) er­reicht wer­den kann, doch ist dieser Wert sehr theo­re­tisch, denn die maxi­mal zu er­reichen­de Daten­rate hängt von vie­len Fak­to­ren ab.

Einer dieser Faktoren ist die Ent­fer­nung zum Ver­teiler­kasten. Je größer der Ab­stand, umso schlech­ter ist die maxi­male Über­tra­gungs­rate. Bereits bei 900 Metern be­trägt die theo­re­tisch er­reich­bare Ge­schwin­dig­keit nur 26 MBit/s und bei 2000 Metern Kupfer­kabel ist der Vor­teil der Vectoring-Techno­logie prak­tisch nicht mehr vor­han­den. Das trifft oft­mals auf Häu­ser zu, die in un­se­rem Kirch­spiel nicht di­rekt im Ort lie­gen. Zum Bei­spiel in Bögel­huus bei Wees­by sind die Kupfer­lei­tungen zum Ver­tei­ler­kasten so lang, dass Ver­bin­dungs­ge­schwin­dig­kei­ten von 2 MBit/s und we­ni­ger der Fall sind. Hier ver­bin­den sich die Bür­ger teil­weise über Sa­tellit ins Inter­net (wir berichteten).

"Seit der Corona­krise ist die Ver­bin­dung weder sta­bil noch aus­rei­chend. An Fort­bil­dun­gen, die der­zeit per Video­kon­fe­renz im Inter­net durch­ge­führt wer­den, kann ich nicht teil­neh­men.", ver­deut­licht Uwe Neumann aus Bögel­huus. Zu viele Men­schen grei­fen auf die­se Tech­no­lo­gie zu­rück, wes­halb die Ver­bin­dungen nicht so sta­bil und schnell sind. In Bögel­huus lie­gen die not­wen­di­gen Leer­rohre, doch das Glas­faser­ka­bel wird erst im nächs­ten Jahr (Stand: 12/20) den Weg in die Häu­ser fin­den.

Auch beim Thema Immo­bilien­preis ist die An­schluss­ge­schwin­dig­keit nicht außer Acht zu lassen. Denn ein we­sent­licher Fak­tor des Immo­bi­lien­wer­tes hängt davon ab, ob ein star­ker Zu­zug in ei­ner Re­gion herrscht oder nicht. Er­schwert also eine schlech­te An­bin­dung an das Inter­net den Ver­kauf einer Immo­bi­lie, sinkt auch der Wert. Neben der Lage ge­winnt die­ser Punkt immer mehr an Be­deu­tung.

Bei der Frage, ob Glas­fa­ser not­wen­dig ist oder das Kupfer­ka­bel noch reicht, schei­den sich die Mei­nun­gen.

  • So sagen die einen, dass die über Kupfer er­reich­ten Über­tra­gungs­raten über doch der­zeit und für die Zu­kunft rei­chen und zu­sätz­liche In­vesti­tions­kosten so­mit ver­mie­den wer­den kön­nen.
  • Die anderen hin­gegen ver­wei­sen auf die zu­neh­men­de Digi­tali­sie­rung und die da­mit ver­bun­den stei­gen­de und da­mit not­wendi­ge Daten­rate.

Wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass Streaming­dienste wie Net­flix und Prime unser Fern­seh­ver­hal­ten ver­ändern? Wer vor 10 Jahren das Inter­net regel­mäßig für's Fern­sehen nutzt­e, war eher ein Exot.  Auch das Ar­beiten von zu­hause ge­winnt an Attrak­tivi­tät und im­mer mehr Fir­men bie­ten es den Mit­ar­bei­tern an.

Das Glasfaser­kabel ist das Über­tra­gungs­me­dium der Zu­kunft! Wel­che Kon­se­quen­zen ent­stehen, wenn ein Aus­bau erst in 10 Jahren oder spä­ter er­folgt? Wird sich dieses auf die Haus­prei­se im Kirch­spiel aus­wir­ken? Wird es Aus­wir­kung auf die weni­gen Ar­beits­plät­ze ha­ben, die wir hier bei uns haben?

Ich möchte wissen, was Sie, die Bürgerinnen und Bürger im Kirch­spiel, zu die­sem Thema den­ken. Ihre Meinung ist mir wichtig!

Schreiben Sie mir eine E-Mail! Sie kön­nen mir ein­­fach auch nur ihren Na­men und ihre Telefon-Num­mer per E-Mail schicken, ich rufe Sie dann gerne zurück.
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In der nächsten Aus­gabe der Kirch­spiel­zei­tung und hier auf der Kirch­spiel-Home­page will ich auf Ihre Ge­danken und Ideen ein­gehen und bei den Ge­mein­de­ver­treter*Innen und Poli­tiker*Innen ge­zielt nach­fra­gen. Ich freue mich auf Ihre Mel­dungen!

Sebastian Goecke

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