Proteste gegen den schlechten Zustand der L1 Medelby-Osterby

110 Fahrzeuge beim Autokorso
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„Uns platzt der Rei­fen und der Kra­gen“, der Satz auf ei­ner der vie­len De­mons­tra­ti­ons­pla­ka­te, die ne­ben der L1 zwi­schen den Or­ten Me­del­by und Os­ter­by hän­gen, gibt die Stim­mung der An­woh­ner wie­der, wenn sie auf den Land­stra­ßen­ab­schnitt zwi­schen den bei­den Or­ten Me­del­by und Os­ter­by an­ge­spro­chen wer­den.

Am Sams­tag de­mons­trier­ten die Bür­ger mit ei­nem Au­to­kor­so ge­gen den schlech­ten Zu­stand der L1. Sie for­dern die Sa­nie­rung der Land­stra­ße. Mit Blau­licht lei­te­te das Feu­er­wehr­fahr­zeug von Os­ter­by die Ko­lon­ne von 110 Fahr­zeu­gen an. „Im Ernst­fall ver­lie­ren wir hier wert­vol­le Mi­nu­ten“, so der Wehr­füh­rer aus Os­ter­by, Sö­ren Timm. „Auf­grund der ka­put­ten Stra­ße ge­rät das Feu­er­wehr­fahr­zeug in Schief­la­ge und nur ge­üb­te Fah­rer kön­nen das Auf­schau­keln bei ge­rin­gen Tem­po ver­hin­dern.“ Für den Lösch­zug Nord des Am­tes Schafflund, in dem vier Feu­er­weh­ren im Ernst­fall ge­mein­sam zum Ein­satz müs­sen, ist die Lan­des­stra­ße ein wich­ti­ges Ver­bin­dungs­ele­ment.

Pro­ble­me, die den Bür­ger­meis­tern der Or­te Me­del­by und Os­ter­by be­kannt sind. Gün­ther Pe­ter­sen, Bür­ger­meis­ter von Me­del­by, hat sein Amt be­reits seit 2003 in­ne. „Das The­ma L1 zwi­schen den bei­den Or­ten be­schäf­tigt uns schon deut­lich über zehn Jah­re und im­mer wer­den wir nur ver­trös­tet, Hand­lun­gen blei­ben aus“, ver­deut­lich­te er.

Un­tä­tig wa­ren die bei­den Ge­mein­den in der Tat nicht.

In zahl­rei­chen An­läu­fen ver­such­ten sie das Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um des Lan­des zu über­zeu­gen und ei­ne Sa­nie­rung der Stra­ße her­bei­zu­füh­ren. Un­ter­stüt­zung er­hiel­ten sie un­ter an­de­rem auch von der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Pe­tra Ni­co­lai­sen (CDU), die sich dem Au­to­kor­so am Sams­tag an­schloss. Sie er­in­nert sich an die Jah­re 2012. „Lei­der zieht sich das The­ma mit der Land­stra­ße zwi­schen den Or­ten Me­del­by und Os­ter­by seit meh­re­ren Jah­ren hin. Wir ha­ben auch die über­re­gio­na­le Be­deu­tung der L1 im nörd­li­chen Teil des Lan­des Schles­wig-Hol­stein be­reits deut­lich ge­mach­t“, er­klär­te sie. Ein Meer aus Fli­cken säumt die obe­re Fahr­bahn­schicht, auf der sich in re­gel­mä­ßi­gen Ab­stän­den Ris­se und Lö­cher bil­den. Die Fahr­bahn­mar­kie­run­gen sind nur noch spo­ra­disch zu er­ken­nen und die Stra­ßen­rän­der sind be­reits teil­wei­se ab­ge­sackt. „Loch an Loch und sie hält doch, das er­kennt je­der, dass die­se Stra­ße im schlech­ten Zu­stand is­t“, so die Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te.

Schlech­te No­ten für die L1

Tho­mas Jes­sen, der Bür­ger­meis­ter aus Os­ter­by, fer­tig­te ei­nen voll­ge­füll­ten DIN A4-Ord­ner mit dem ge­sam­ten Schrift­ver­kehr an. Mit dar­un­ter ein Schrift­stück, das den Stra­ßen­ab­schnitt zwi­schen den Or­ten Os­ter­by und Me­del­by seit dem Jahr 2009 in der Zu­stands­klas­se 4,5 bis 5,0 ein­stuft. Soll­te sich der Zu­stand der Stra­ße wei­ter ver­schlech­tern und die letz­te No­te von 5,0 er­reicht wer­den, hat die­ses in der Dring­lich­keits­rei­hen­fol­ge Aus­wir­kung.

Es be­deu­tet laut Aus­sa­ge vom Mi­nis­te­ri­um je­doch nicht, dass ei­ne Ge­fähr­dung der Ver­kehrs­si­cher­heit vor­liegt, schon gar nicht, dass ei­ne Stra­ße ge­sperrt wer­den müss­te. Wenn es nach Ver­kehrs­mi­nis­ter Bernd Buch­holz' Sa­nie­rungs­of­fen­si­ve, vor­ge­stellt im Ok­to­ber 2018, geht, soll al­les bis ins Jahr 2030 wie­der aus­ge­bes­sert wer­den. Bis ein­schlie­ß­lich 2022 sol­len 900 Ki­lo­me­ter Land­stra­ße wie­der flott­ge­macht wer­den. Der Ab­schnitt der L1 zwi­schen den Or­ten Me­del­by und Os­ter­by ist je­doch nicht da­bei. Die­ser er­hielt da­bei trotz der gan­zen Be­mü­hun­gen ei­ne Prio­ri­sie­rung, die erst nach 2022 in Be­tracht ge­zo­gen wird.

Wirt­schaft lei­det un­ter Stra­ßen­zu­stand

Wil­fried Bos­sen, Vor­sit­zen­der der In­ter­es­sen­ge­mein­schaft der Selb­stän­di­gen und Ver­an­stal­ter des De­mons­tra­ti­ons­zu­ges, for­der­te zum Han­deln auf. „Die Stra­ße muss sa­niert wer­den. Die Wirt­schaft lei­det un­ter dem schlech­ten Stra­ßen­zu­stand.“ Vol­ker Ko­scha­te vom Cam­ping Mit­te gibt ihm Recht. „Die Gäs­te wer­den mit ih­rem Na­vi­ga­ti­ons­ge­rät über die L1 nach Me­del­by ge­führ­t“, er­klärt der Platz­wart. Be­schwer­den über ka­put­tes Ge­schirr im Wohn­mo­bil oder ein­fach nur der Frust über den Zu­stand der Stra­ße sind ihm nicht fremd.

Der SSW-Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Chris­ti­an Dir­schau­er nahm eben­so am Au­to­kor­so teil. „Wir, der SSW, set­zen uns für die Sa­nie­rung die­ses Teil­stü­ckes ein. Wir ha­ben ei­ne klei­ne An­fra­ge ge­stellt und die­se gilt es nun aus­zu­wer­ten.“ Da­mit mach­te er ins­be­son­de­re den Bür­gern vor Ort Hoff­nung, dass das The­ma wie­der Fahrt auf­nimmt.

Der Au­to­kor­so ver­ur­sach­te ei­ni­ge Mi­nu­ten Ver­spä­tung bei den un­be­tei­lig­ten Fah­rern, die die­se Stre­cke als Aus­weich­rou­te zur ge­sperr­ten B199 wähl­ten. Vie­le von ih­nen zeig­ten sich ver­ständ­nis­voll. „Die Stra­ßen­schä­den sind wirk­lich be­trächt­lich, wir kön­nen die Bür­ger hier ver­ste­hen“, so die Fa­mi­lie Lip­pert, die aus Nie­büll in Rich­tung Flens­burg un­ter­wegs war.

Sebastian Goecke

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